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Ansichtskarte: Verlag C. Schwager Dresden, gel. 1903
Blick vom Neustädter Ufer
(Links neben der Hofkirche: das Füstenbergsche Haus, daneben links: das Brühlsche Palais)

Ansichtskarte: Dresdner Kunstanstalt, gel. 1900
Kartenausschnitt: Verlag C.C: Meinhold & Söhne Dresden, 1:10.000, 1878  ©verschwundene-bauwerke.de

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Brühlsches Palais

Augustusstraße 3 (An der Brühlschen Treppe)

Bauzeit:                     1737 – 1740

Architekt:                  Johann Christoph Knöffel (1686 - 10.3.1752)

Abgetragen:             1900

Es war ein in mehreren Bauabschnitten errichteter dreigeschossiger Bau und wurde von Johann Christoph Knöffel für den Grafen Heinrich von Brühl errichtet. Für den Bau des Palais wurde sieben Wohnhäuser in der Augustusstraße und sechs An den Klepperställen abgetragen. Im Jahr 1792 ging das Palais in den Besitz des Kurfürstentums Sachsen über.

Das Gebäude hatte ursprünglich eine Frontlänge von neun Fensterachsen. Die 9-fenstrige Fassadenfront wurde in der Mitte von einem Mittelrisaliten mit einer Frontlänge von drei Fensterachsen gegliedert. Auf Erdgeschosshöhe standen vor den äußeren Lisenen des Mittelrisalits, neben dem Portal, zwei Vollplastiken. Es waren zwei Sandsteinfiguren von Lorenzo Mattielli Die Weisheit und die Wachsamkeit. Die dreifenstrige Fassade rechts und links des Mittelrisalits, zeigten im Erdgeschoss Stichbogenfenster mit sichtbarer Laibung.

Auf Höhe des ersten Obergeschosses war vor dem Mittelrisaliten ein Balkon mit schmiedeeisernem Gitter zu sehen. Zwischen den Obergeschossfenstern des Mittelrisalits waren mit Reliefs geschmückte Spiegelfelder zu sehen, die eingetieft waren und „aufgelegte Trophäengehänge“ zeigten. Die dreifenstrige Fassade rechts und links des Mittelrisalits zeigte eine Linsenarchitektur, die über mehrere Geschosse ging und die beiden Obergeschosse zusammenfasste. Die Fenster im Obergeschoss waren hoch und schlank. Eine Laibung war kaum sichtbar, weil die Fenster weit außen lagen. Dadurch wurde das Licht der Sonne mit besonderen Effekten reflektiert. Die Fenstertüren des ersten Obergeschosses erhielten kunstvolle schmiedeeiserne Gitter.

Auf Dachgeschosshöhe zeigte der Mittelrisalit einen Dreiecksgiebel, wo ein figürlicher Reliefschmuck zu sehen war. Dahinter erhob sich ein niedriges Attikageschoss. Flankiert wurde der Ziergiebel auf Dachgeschosshöhe von zwei dreifenstrigen Halbgeschossen im ausgebauten Mansarddach, so dass die Höhe des Baus 3 1/2 Geschosse betrug.


1743/44 erfolgten Anbauten um je drei Fensterachsen auf der rechten und linken Seite, so dass die Fassadenfront auf fünfzehn Fensterachsen erhöht wurde. Diese Anbauten hatten auf Dachgeschosshöhe keine dreifenstrigen Mansardgeschosse, sondern Trophäenschmuck, so dass die Höhe des Baus nur 3 Geschosse betrug. Ab 1753 wurde der Bau um je vier Fensterachsen nach der Kleinen Fischergasse bzw. nach dem Schloßplatz zu erweitert, so dass der Bau neunzehn und am Ende dreiundzwanzig Fensterachsen hatte. Die Anbauten von 1753 hatten wie der ursprüngliche Bau von 1737/1740 Halbgeschosse auf Dachgeschosshöhe, so dass der Bau eine Höhe von 3 1/2 Geschossen hatte.

„Das besondere Charakteristikum der Fassade zur Augustusstraße war die betonte Flächigkeit der wohlproportionierten, in der Schichtung des Wandreliefs sehr zurückhaltenden Lisenenführung. Diese Flächigkeit war schon im Sinne des Rokokos fast bis an die Grenzen des Möglichen getrieben.“

Durch eine Vorhalle betrat man das Treppenhaus, die von den Figuren Meleager und Flora flankiert waren. Das Gewölbe des Treppenhauses im zweiten Obergeschoss bestand aus einer flachen Decke mit Hohlkehle. Dort waren die Wände des Treppenhauses mit gerahmten Wandfeldern geschmückt. In den Wandfeldern waren flache Stuckreliefs zu sehen. Auf der einen Seite war der Morgenwind dargestellt durch Iris auf dem Regenbogen mit Juno, auf der anderen Seite war der Abendwind dargestellt mit Diana mit geflügeltem Genius. Die Stuckreliefs waren von Johann Joseph Hackl.

Mittelpunkt des Palais war ein zweigeschossiger Festsaal, der nach Entwürfen von J. C. Knöffel errichtet worden war. Dieser galt als „großartiges Beispiel des Dresdner Frührokoko“ und zählte zu den „schönsten Rokokoräumen, die in Dresden zu damaliger Zeit geschaffen wurden“. Die Decke war allegorisch von Louis de Silvestre gestaltet und zeigte den Sieg des Bellerophon über die Chimäre. Des Weiteren hingen von Louis de Silvestre im Saal Gemälde der beiden Kurfürstenkönige, von August dem Starken und seiner Gemahlin Christiane Eberhardine auf der einen, und seinem Sohn August der III., und dessen Gemahlin Maria Josepha auf der gegenüberliegenden Seite. Plastischer Schmuck und Stuckaturen stammten von Matthias Kugler und Joseph Hackl, die weiß-golden dekoriert waren. Die Wand war noch von der Decke im Sinne des Barock klar architektonisch getrennt. Geschmückt war der Festsaal auch mit Spiegeln und weiß-goldenen Schnitzereien.


Im Jahr 1900 wurde das Palais abgetragen, da man gleicher Stelle das nach dem Krieg wieder hergestellte Ständehaus errichtete. Die Plastiken des Brühlschen Palais wurden im Ständehaus aufgestellt. Das Portal, das Altangitter und der Festsaal wurden originalgetreu in derKunstgewerbeakademie in der Güntzstraße eingebaut, wo sie 1945 zerstört wurden.

Quelle: Wikipedia

Ansichtkarte: Kunstverlag von Paul Beyer Dresden